









Flechtorf – Es ist ein beeindruckendes Zusammenspiel aus jahrhundertealter Tradition und
hochmoderner Technik: 22 Mitglieder des Bürgervereins Essenrode nutzten kürzlich die
Gelegenheit, die Flechtorfer Mühle Walter Thönebe GmbH hautnah zu besichtigen. Die
ehemalige Wassermühle an der Schunter wurde bereits im 13. Jahrhundert erstmals
urkundlich erwähnt. Heute ist sie ein hochmoderner Schlüsselbetrieb der
Lebensmittelversorgung, in dem 120 Mitarbeiter für den reibungslosen Ablauf sorgen.
Und dieser Ablauf hat es in sich: Fast das ganze Jahr über läuft die Mühle im 24-Stunden-
Betrieb durchgehend. Stillstand gibt es kaum – lediglich an Weihnachten, Ostern und
Silvester ruhen die Maschinen für kurze Zeit. Bei hochsommerlichen 30 Grad war uns
Besuchern schnell klar, welche logistische Meisterleistung hinter diesem Dauerbetrieb
steckt. Allein 20 Lastwagen müssen täglich anrollen, um überhaupt die nötigen Rohstoffe
anzuliefern, damit die Produktion laufen kann.
Gigantische Mengen im Dauerbetrieb
Die nackten Zahlen beeindrucken: Jeden Tag werden in Flechtorf durchschnittlich 520
Tonnen Getreide – hauptsächlich Weizen und Roggen – vermahlen. Auf das Jahr
hochgerechnet ergibt das die gewaltige Menge von rund 170.000 Tonnen. Dass auf dem
Gelände aktuell eine neue Lagerhalle sowie ein neuer Sozial- und Werkstatttrakt entstehen,
passt zum kontinuierlichen Wachstum des Traditionsunternehmens.
Nach der herzlichen Begrüßung durch Andrej Welk übernahm Müllermeister und
Betriebsleiter Herr Ipek die Führung. Er erklärte uns den Weg vom Korn zum Mehl, der im
Labor mit einer strengen Qualitätsprüfung jeder einzelnen Lieferung beginnt. Im Inneren der
Mühle erstreckt sich die Produktion über mehrere Etagen. Computergesteuerte Mahlwalzen
zerkleinern das Korn in mehreren Durchgängen immer feiner. Riesige, rotierende
Siebmaschinen trennen die Schalenreste anschließend sauber vom Mehl.
Wie effizient diese Technik arbeitet, zeigt die Ausbeute: Aus einem Kilogramm Getreide
werden beispielsweise rund 810 Gramm des bekannten Mehls vom Typ 550 gewonnen.
Neben klassischem Mehl werden in Flechtorf auch Fertigmischungen für Pfannkuchen oder
Kuchen hergestellt und vollautomatisch bis zur fertigen Palette verpackt. Die Nebenprodukte
wie Kleie gehen als Tierfutter in den Handel.
Wirtschaftliche Herausforderungen und hoher Energiebedarf
Ein Betrieb dieser Größenordnung bringt auch wirtschaftliche Risiken mit sich. Da die
Verträge mit Großbäckereien und Lebensmittelkonzernen langfristig geschlossen werden, ist
das Unternehmen stark von den Preisschwankungen an der Getreidebörse abhängig. Zudem
verbrauchen die Maschinen jährlich rund 15 Millionen Kilowattstunden Strom. Etwa fünf
Prozent davon erzeugt die Mühle bereits umweltfreundlich über eine eigene
Photovoltaikanlage.
Nach einem kurzweiligen und hochinteressanten Rundgang bedankte sich die Gruppe
herzlich für die Einblicke und die kleine Produkttasche zum Abschied. Einige Teilnehmer
ließen den Tag noch gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Autohof-Restaurant BS-Ost
ausklingen. Dort wurden auch schon die Pläne für das kommende Jahr sowie die nächste
Exkursion geschmiedet: Am 17. November 2026 führt der Bürgerverein seine Mitglieder und
Interessierte zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Braunschweig.
Herm Henkel, Essenrode
